Parkraumbewirtschaftung neu gedacht: Markus Dombrowski über wirtschaftliche Potenziale, Digitalisierung und die Zukunft moderner Parkflächen

14.08.2026

„Parkflächen sind heute weit mehr als nur Stellplätze.“

Parkraumbewirtschaftung wird häufig noch immer auf Schranken, Kontrollen oder Knöllchen reduziert. Dabei steckt deutlich mehr dahinter. Wir haben mit Markus Dombrowski, Geschäftsführer der GSG Parken GmbH, darüber gesprochen, warum professionelles Parkraummanagement heute ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist, welche Fehler Unternehmen häufig machen und wohin sich der Markt entwickelt.

Viele Unternehmen unterschätzen Parkflächen. Warum ist Parkraumbewirtschaftung heute ein strategisches Thema?

Viele Unternehmen sehen ihre Parkflächen noch immer lediglich als notwendige Infrastruktur. Tatsächlich handelt es sich aber um eine wertvolle Unternehmensressource. Wenn Parkplätze nicht sinnvoll gesteuert werden, entstehen schnell unnötige Kosten, organisatorischer Mehraufwand und Unzufriedenheit bei Kunden oder Mitarbeitern.

Professionelle Parkraumbewirtschaftung sorgt dafür, dass vorhandene Flächen effizient genutzt werden, Abläufe besser funktionieren und Unternehmen langfristig wirtschaftlicher arbeiten können. Genau deshalb wird das Thema heute zunehmend Teil der strategischen Unternehmensplanung.

Was hat sich in den letzten Jahren im Bereich Parkraum besonders verändert?

Der Nutzungsdruck auf Parkflächen ist deutlich gestiegen. Städte wachsen, Mobilität verändert sich und viele Standorte werden heute intensiver genutzt als noch vor einigen Jahren.

Gleichzeitig hat die Digitalisierung enorme Fortschritte gemacht. Moderne Systeme ermöglichen heute eine wesentlich intelligentere Steuerung von Parkflächen als früher. Entscheidungen können auf Basis von Daten getroffen werden, statt nur auf Bauchgefühl oder einzelnen Beschwerden.

Ab wann wird ein Parkplatz für ein Unternehmen zum wirtschaftlichen Problem?

Viele denken dabei erst an komplett überfüllte Parkplätze. Tatsächlich beginnt das Problem viel früher.

Sobald Kunden keinen freien Stellplatz mehr finden, Mitarbeiter regelmäßig Zeit mit der Parkplatzsuche verlieren oder Lieferprozesse beeinträchtigt werden, entstehen wirtschaftliche Nachteile. Oft bleiben diese zunächst unsichtbar, summieren sich aber über Monate oder Jahre zu erheblichen Kosten.

Welche konkreten wirtschaftlichen Schäden entstehen durch unkontrollierte Parkflächen?

Die Auswirkungen werden häufig unterschätzt. Kunden brechen ihren Besuch ab oder entscheiden sich für einen anderen Standort. Mitarbeiter verlieren täglich wertvolle Arbeitszeit. Beschwerden nehmen zu und interne Ressourcen werden gebunden.

Hinzu kommt, dass vorhandene Parkflächen oft deutlich unter ihrem eigentlichen wirtschaftlichen Potenzial genutzt werden. Unternehmen verschenken dadurch Möglichkeiten, ihre vorhandene Infrastruktur effizienter einzusetzen.

Kann Parkraumbewirtschaftung tatsächlich ein Renditefaktor sein, und wenn ja, wie?

Absolut. Eine professionell bewirtschaftete Parkfläche verursacht nicht nur weniger Probleme, sondern kann auch einen messbaren wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.

Durch eine bessere Flächenauslastung, die Vermeidung von Fehlbelegungen und optimierte Prozesse lassen sich Kosten reduzieren und teilweise sogar zusätzliche Einnahmen erzielen. Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit der eigentlichen Nutzer.

Welche Branchen profitieren besonders stark von professioneller Parkraumbewirtschaftung?

Grundsätzlich jede Branche mit regelmäßigem Besucher- oder Mitarbeiterverkehr.

Besonders groß ist der Nutzen jedoch im Einzelhandel, bei Kliniken, Hotels, Büroimmobilien, Logistikunternehmen oder auch Veranstaltungsflächen. Überall dort, wo Parkplätze ein wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses oder der Betriebsabläufe sind, macht professionelles Parkraummanagement einen spürbaren Unterschied.

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Unternehmen zu Ihnen kommen?

In den meisten Fällen hören wir ähnliche Themen.

Fremdparker blockieren Stellplätze, Kunden beschweren sich über fehlende Parkmöglichkeiten, Mitarbeiter finden keinen Parkplatz oder es fehlt schlicht der Überblick darüber, wie die Fläche tatsächlich genutzt wird.

Viele Unternehmen wissen, dass etwas nicht optimal läuft, haben aber noch keine passende Lösung gefunden.

Warum funktionieren viele Parkflächen scheinbar, obwohl sie wirtschaftlich ineffizient sind?

Weil viele Probleme zunächst nicht direkt sichtbar sind.

Ein typisches Beispiel ist ein Supermarkt, dessen Kundenparkplätze regelmäßig von Pendlern oder Anwohnern belegt werden. Die Fläche ist zwar dauerhaft ausgelastet, aber eben nicht von den eigentlichen Kunden. Das führt dazu, dass Kunden keinen Stellplatz finden und ihren Einkauf im schlimmsten Fall bei einem Mitbewerber erledigen. Der Betreiber bemerkt den Zusammenhang häufig erst sehr spät, weil die Ursache nicht sofort mit dem Parkplatz in Verbindung gebracht wird.

Wirtschaftliche Ineffizienz bedeutet also nicht zwangsläufig, dass eine Parkfläche leer oder chaotisch ist. Oft wird vorhandene Kapazität einfach nicht für die richtigen Nutzer eingesetzt.

Welche Rolle spielen Fremdparker in der Praxis wirklich?

Eine deutlich größere, als viele zunächst vermuten.

Gerade an attraktiven Standorten reichen schon wenige Fremdparker aus, um die Situation für Kunden oder Mitarbeiter deutlich zu verschlechtern. Das Problem besteht dabei weniger in einzelnen Fahrzeugen als in der dauerhaften Fehlbelegung wertvoller Stellflächen.

Was unterscheidet GSG Parken von klassischen Parkraumüberwachern?

Wir verstehen uns nicht als reines Kontrollunternehmen.

Unser Ziel ist es, für jeden Standort eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu entwickeln. Deshalb beginnen wir jedes Projekt mit einer Analyse der tatsächlichen Nutzung und entwickeln anschließend ein individuelles Konzept.

Nicht jede Fläche benötigt dieselbe Technik oder denselben Ansatz. Genau diese Flexibilität unterscheidet uns von standardisierten Lösungen.

Wann empfehlen Sie digitale Kennzeichenerkennung, wann hybride oder manuelle Lösungen?

Das hängt immer vom jeweiligen Standort ab.

Größe der Fläche, Besucherstruktur, Nutzungszeiten und wirtschaftliche Ziele spielen dabei eine wichtige Rolle. Manche Projekte profitieren von einer vollständig digitalen Lösung mit Kennzeichenerkennung, andere lassen sich durch hybride oder manuelle Konzepte wirtschaftlicher umsetzen.

Es gibt keine Universallösung – entscheidend ist, dass das System zum Standort passt.

Wie läuft ein typisches Projekt bei Ihnen ab – von der Analyse bis zur Umsetzung?

Jedes Projekt beginnt für uns damit, den Standort wirklich zu verstehen. Bevor wir über Technik oder Maßnahmen sprechen, analysieren wir zunächst die tatsächliche Nutzung der Parkfläche. Wer nutzt den Parkplatz? Wann entstehen Engpässe? Gibt es Fremdparker? Wie sind die Besucherströme und welche Ziele verfolgt der Betreiber?

Auf dieser Grundlage entwickeln wir ein individuelles Konzept, das sowohl zu den betrieblichen Abläufen als auch zu den wirtschaftlichen Anforderungen des Kunden passt. Dabei gibt es keine Standardlösung – eine Klinik stellt andere Anforderungen als ein Hotel, ein Supermarkt oder eine Büroimmobilie.

Nach der Umsetzung endet unsere Arbeit nicht. Wir begleiten das Projekt weiter, analysieren die Ergebnisse und nehmen bei Bedarf Anpassungen vor. Gerade in den ersten Wochen zeigt sich oft, wo sich Prozesse noch weiter optimieren lassen. Unser Ziel ist deshalb keine kurzfristige Lösung, sondern ein Parkraummanagement, das dauerhaft funktioniert und sich flexibel an zukünftige Anforderungen anpassen kann

Wohin entwickelt sich der Markt für Parkraumbewirtschaftung in den nächsten fünf Jahren?

Ich bin überzeugt, dass sich die Parkraumbewirtschaftung in den kommenden Jahren deutlich stärker digitalisieren wird. Gleichzeitig werden Daten und künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle spielen. Betreiber möchten heute nicht mehr nur wissen, ob ein Parkplatz voll oder leer ist – sie möchten verstehen, wie ihre Flächen tatsächlich genutzt werden und auf dieser Grundlage bessere Entscheidungen treffen.

Moderne Systeme liefern bereits heute wertvolle Informationen über Auslastung, Nutzungsverhalten oder Stoßzeiten. Künftig wird KI diese Daten noch besser auswerten, Entwicklungen frühzeitig erkennen und dabei helfen, Parkflächen effizienter zu steuern. Das eröffnet Unternehmen ganz neue Möglichkeiten, ihre vorhandenen Flächen wirtschaftlicher zu nutzen.

Trotz aller technologischen Entwicklungen bleibt eines entscheidend: Jede Parkfläche ist anders. Deshalb wird Erfahrung auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Technologie liefert die Daten – die richtige Strategie entsteht jedoch erst durch das Verständnis der jeweiligen Anforderungen und die passende Lösung für den einzelnen Standort.

Wenn Sie Geschäftsführern einen Rat geben müssten – wann sollten sie handeln?

Mein Rat ist, nicht erst zu handeln, wenn die ersten Beschwerden eingehen oder wirtschaftliche Nachteile bereits spürbar sind. Wie ich bereits erwähnt habe, sehen wir in der Praxis häufig, dass sich Probleme über einen längeren Zeitraum entwickeln und zunächst unbemerkt bleiben. Sind sie erst einmal offensichtlich, ist der Aufwand für die Behebung oft deutlich größer.

Deshalb lohnt es sich, die eigene Parkfläche regelmäßig kritisch zu hinterfragen und ihre Nutzung objektiv zu analysieren. Schon kleine Anpassungen können große Wirkung erzielen – sowohl für die Zufriedenheit der Nutzer als auch für die Wirtschaftlichkeit des Standorts. Wer frühzeitig handelt, schafft die Grundlage für effiziente Prozesse und vermeidet unnötige Kosten.

Interview: Merima Šator
Competent Office Solutions d.o.o. – Marketingpartner der GSG Parken GmbH